# Maschenanschlag-Methoden im Vergleich: Welche Methode sollten Sie verwenden?

Jedes Strickprojekt beginnt auf dieselbe Weise: Sie müssen Maschen auf Ihre Nadel bringen, bevor Sie die erste Reihe stricken können. Es ist verlockend, diesen Schritt als reine Formalität zu betrachten – etwas, das man schnell erledigt, um zum „eigentlichen“ Stricken zu kommen. Doch der gewählte Maschenanschlag prägt die Kante Ihres Gestricks für die gesamte Lebensdauer des Kleidungsstücks. Er kann dafür sorgen, dass sich ein Sockenbündchen bequem über die Ferse dehnt, dem Saum eines Pullovers die nötige Stabilität verleihen oder es ermöglichen, später zwei Teile nahtlos zusammenzufügen.

Die gute Nachricht ist, dass Sie nicht ein Dutzend Anschlagtechniken auswendig lernen müssen. Die meisten Projekte lassen sich mit einer kleinen Auswahl an Methoden hervorragend umsetzen. Sobald Sie verstehen, was die jeweilige Technik mit dem Faden macht, fällt die Entscheidung leicht. Dieser Ratgeber stellt sechs wichtige Anschlagmethoden vor, erklärt ihre Unterschiede und hilft Ihnen bei der Auswahl für Ihr Projekt.

Was macht einen Anschlag „gut“?

Bevor Sie Methoden vergleichen, hilft es zu wissen, welche Eigenschaften eine Rolle spielen. Jeder Maschenanschlag ist ein Kompromiss zwischen folgenden Kriterien:

  • Elastizität – wie stark sich die Kante dehnen lässt, ohne zu spannen oder den Faden zu überlasten. Das ist extrem wichtig für Rippenmuster, Socken und alles, was über Ferse, Hand oder Kopf gezogen werden muss.
  • Struktur – wie fest und stabil die Kante ist. Eine feste Kante eignet sich hervorragend für den Saum einer Jacke; bei einem Sockenbündchen wäre sie hinderlich.
  • Optik – manche Anschläge erzeugen eine abgerundete, kordelartige Kante; andere liegen flacher oder sehen einer Abkettkante sehr ähnlich.
  • Funktion – einige Anschläge lösen ein spezifisches technisches Problem, etwa das Offenhalten von Maschen („stilllegen“), um später in die entgegengesetzte Richtung weiterzustricken.

Behalten Sie diese vier Eigenschaften im Hinterkopf – an ihnen orientiert sich auch die nachfolgende Übersichtstabelle.

Kreuzanschlag (Long-Tail Cast-On)

Den Kreuzanschlag lernen die meisten Strickenden zuerst, und das aus gutem Grund: Er ist schnell, ausreichend elastisch und erzeugt in einem einzigen Arbeitsgang eine saubere, strapazierfähige Kante. Sie arbeiten ihn mit einer Anfangsschlinge und einem zuvor abgemessenen Fadenende (dem „langen Faden“).

Er ist ein solider Allrounder für Schals, Decken, Mützen ohne stark beanspruchtes Bündchen und Pullover-Vorder-/Rückenteile. An Grenzen stößt er bei Kanten, die extrem dehnbar sein müssen – ein Standard-Kreuzanschlag kann spürbar fester sein als das anschließende Rippenmuster. Daher wählen viele Strickende für die Anschlagreihe eine größere Nadelstärke oder wechseln bei Sockenbündchen zu einer elastischeren Methode.

Deutscher gedrehter / Norwegischer Anschlag (German Twisted / Old Norwegian Cast-On)

Wenn der Kreuzanschlag für ein Projekt zu fest ist, schafft der Deutsche gedrehte Anschlag (auch Norwegischer Anschlag genannt) Abhilfe. Er beginnt genau wie der Kreuzanschlag, fügt aber beim Bilden jeder Schlinge eine zusätzliche Drehung hinzu. Das verändert den Sitz der Maschen und verleiht der Kante deutlich mehr Dehnungsspielraum.

Das macht ihn zum Favoriten für Sockenbündchen, Fäustlingsbündchen und alle 1x1- oder 2x2-Rippenmuster, die über Fersen oder Handgelenke gedehnt werden müssen. Da er gestrickt fast genauso aussieht wie ein klassischer Kreuzanschlag, lässt er sich mühelos austauschen.

Kabelanschlag (Cable Cast-On)

Der Kabelanschlag baut neue Maschen auf, indem zwischen die letzten beiden Maschen auf der Nadel gestochen, ein Faden durchgezogen und als neue Masche auf die linke Nadel gesetzt wird. Er erzeugt eine feste, kordelartige Kante, die ihre Form sehr gut hält.

Da er Masche für Masche gearbeitet wird und kein langes Fadenende erfordert, ist er besonders praktisch mitten im Projekt – zum Beispiel, wenn Sie am Reihenanfang neue Maschen für einen Ärmel oder einen Daumenkeil anschlagen müssen. Auch für Kanten, die Stand brauchen (wie Knopflochblenden oder Taschenränder), ist er ideal. Da er nicht sehr elastisch ist, eignet er sich weniger für dehnbare Bündchen.

Gestrickter Anschlag (Knitted Cast-On)

Der gestrickte Anschlag ist eng mit dem Kabelanschlag verwandt und wird oft mit ihm verwechselt. Beide bilden neue Maschen durch das Hinzustricken auf die Nadel, doch beim gestrickten Anschlag wird direkt in die letzte Masche gestochen statt zwischen die Maschen. Das Ergebnis ist eine etwas weichere, weniger kordelartige Kante. Anfänger lernen diesen Anschlag gerne, da der Bewegungsablauf dem normalen Rechtsstricken entspricht.

Er ist eine weichere Alternative zum Kabelanschlag, wenn Sie eine einfache Methode ohne Abmessen des Fadenendes suchen.

Provisorischer Maschenanschlag (Provisional Cast-On)

Der provisorische Maschenanschlag unterscheidet sich von den anderen Methoden, weil sein Hauptzweck nicht in Dehnbarkeit oder Festigkeit liegt – sondern darin, Maschen offen zu halten. Anstatt die Maschen direkt mit dem Arbeitsfaden anzuschlagen, nutzen Sie einen Hilfsfaden oder eine Häkelkette, die später wieder entfernt („aufgezipft“) werden kann. Dadurch werden offene Maschen frei, in die Sie später in entgegengesetzter Richtung weiterstricken können.

Diese Methode kommt zum Einsatz, wenn ein Projekt von der Mitte aus in beide Richtungen gestrickt wird oder wenn zwei Kanten später unsichtbar im Maschenstich zusammengefügt werden sollen – etwa bei einem Schal, einer Sockenspitze oder einem umgeschlagenen Saum. Der Aufbau erfordert etwas mehr Aufwand, lohnt sich für diesen Zweck aber garantiert.

Italienischer Anschlag / Schlauchanschlag (Tubular Cast-On)

Der italienische Anschlag wurde speziell für 1x1-Rippenmuster entwickelt und erzeugt eine runde, wie umgefaltet wirkende Kante ohne sichtbare Anschlagreihe. Das Gestrick scheint sich am unteren Rand nahtlos abzurunden.

Er erfordert etwas Übung, ist aber für sichtbare Kanten, die gleichzeitig hochprofessionell und dehnbar aussehen sollen – etwa Pulloverkragen, Mützenränder und hochwertige Sockenbündchen –, die Mühe wert.

Die Anschlagmethoden im Überblick

MethodeElastizitätBeste VerwendungSchwierigkeit
KreuzanschlagMittelAllzweck: Schals, Mützen, PulloverteileEinfach
Deutscher gedrehter (Norwegischer) AnschlagHochSockenbündchen, Fäustlinge, dehnbare RippenmusterEinfach–mittel
KabelanschlagNiedrigFeste Kanten; Zunahmen mitten in der ReiheEinfach–mittel
Gestrickter AnschlagMittelAnfängerfreundliche Alternative zum KabelanschlagEinfach
Provisorischer AnschlagVarieert (vorübergehend)Maschenstich, Projekte von der Mitte ausMittel
Italienischer AnschlagSehr hochPerfektionierte 1x1-Rippenbündchen an Kragen, Mützen, SockenFortgeschritten

So wählen Sie den richtigen Maschenanschlag

Muss die Kante sehr dehnbar sein? Wenn Sie für Socken, Fäustlinge oder eng anliegende Bündchen anschlagen, greifen Sie zum Deutschen gedrehten Anschlag – oder zum italienischen Anschlag, wenn Sie ein besonders edles Finish wünschen.

Muss die Kante Formstabilität bieten? Für strukturierte Teile – Knopflochleisten, Taschenkanten oder feste Säume – ist der Kabelanschlag die richtige Wahl.

Müssen Sie später in die andere Richtung stricken oder Kanten verbinden? Verwenden Sie den provisorischen Maschenanschlag.

Handelt es sich um ein Standardprojekt ohne besondere Anforderungen? Der klassische Kreuzanschlag (oder der gestrickte Anschlag) erfüllt in den allermeisten Fällen zuverlässig seinen Zweck.

Ein Tipp für alle Methoden: Wenn Ihnen der Anschlag beim Anstricken zu fest erscheint, stricken Sie die Anschlagreihe mit einer um 0,5 bis 1 mm größeren Nadelstärke und wechseln Sie danach wieder zur regulären Nadel.

Quellen