# Abketttechniken: Den richtigen Abschluss für Ihr Projekt wählen

Sie haben jede Reihe gestrickt, Ihr Projekt ist fast fertig und nun steht der letzte Schritt an: die Maschen von der Nadel zu nehmen. Es ist verlockend, das Abketten schnell zu erledigen, doch die Art des Abschlusses entscheidet oft über das Aussehen und den Sitz des gesamten Kleidungsstücks. Ein zu strammer Abkettrand zieht ein Sockenbündchen so zusammen, dass es nicht über die Ferse passt. Ein zu lockerer Rand lässt den Saum ausleihern. Und die falsche Abkettmethode kann die Elastizität eines sorgfältig gestrickten Rippenmusters zunichtemachen.

Sie müssen nicht unzählige Techniken beherrschen. Wichtig sind einige verlässliche Methoden und das Wissen, wann welche Technik eingesetzt wird. Dieser Ratgeber stellt die wichtigsten Abkettmethoden vor und zeigt, wie Sie das häufigste Anfängerproblem lösen: zu festes Abketten.

Warum die Abkettmethode entscheidend ist

Jede Abkettmethode erfüllt dieselbe Grundaufgabe – das Sichern der offenen Maschen, damit sich das Gestrick nicht aufribbelt. Doch die Ausführung unterscheidet sich deutlich. Manche Methoden fixieren die Maschen fest, was für stabile Kanten (wie Taschenöffnungen) ideal ist. Andere sind extrem dehnbar, was bei Halsausschnitten, Sockenbündchen und elastischen Rippenmustern unerlässlich ist.

Das Standard-Abketten (Klassisches Abketten)

Dies ist die Methode, die die meisten zuerst lernen. Sie stricken zwei Maschen und ziehen mit der linken Nadel die erste Masche über die zweite von der Nadel. Stricken Sie eine weitere Masche und ziehen Sie wieder die vorherige darüber.

Das Standard-Abketten ist schnell und erzeugt eine saubere, stabile Kante. Der Nachteil: Es ist kaum dehnbar. Bei normaler Fadenspannung ist der Rand deutlich weniger elastisch als das Gestrick darunter. Wenn Sie es für Rippenbündchen nutzen, arbeiten Sie es sehr locker oder wählen Sie eine größere Nadelstärke für die Abkettreihe.

Was tun gegen zu festes Abketten?

  • Nutzen Sie eine größere Nadelstärke: Eine um 0,5 bis 1 mm dickere Nadel für die Abkettreihe lockert die Maschen automatisch auf.
  • Bewusst locker arbeiten: Geben Sie jeder Masche auf der Nadel etwas mehr Spielraum, bevor Sie die nächste Masche darüberziehen.
  • Zwischendurch dehnen: Ziehen Sie die abgekettete Kante alle paar Maschen sanft auseinander.
  • Vor dem Vernähen prüfen: Testen Sie bei Socken oder Ausschnitten die Dehnbarkeit, bevor Sie die Fäden vernähen.

Dehnbare Abkettmethoden für Rippenmuster

Jenys überraschend elastisches Abketten (Jeny's Surprisingly Stretchy Bind-Off – JSSBO)

Diese Methode (oft als JSSBO abgekürzt) wurde speziell entwickelt, um zu stramme Kanten bei Rippenmustern zu vermeiden. Sie wird komplett mit den Stricknadeln gearbeitet: Vor jeder Masche machen Sie einen umgekehrten Umschlag (vor einer rechten Masche) bzw. einen normalen Umschlag (vor einer linken Masche) und ketten sowohl den Umschlag als auch die Masche ab. Die zusätzliche Garnschlinge verleiht der Kante eine hervorragende Dehnbarkeit.

JSSBO eignet sich perfekt für 1x1- und 2x2-Rippenmuster, Toe-up-Sockenbündchen oder Lace-Kanten.

Genähtes / Italienisches Abketten (Tubular Bind-Off)

Beim genähten bzw. italienischen Abketten werden die Maschen nicht mit den Stricknadeln abgekettet, sondern mit einer Wollnadel im Maschenstich miteinander verbunden. Oft gehen ein paar Vorbereitungsreihen voraus, die die rechten und linken Maschen trennen.

Das Ergebnis ist ein Abschluss ohne sichtbare Abkettkante. Das Rippenmuster scheint sich nahtlos um die Kante zu legen. Diese Technik bietet maximale Elastizität und eine extrem hochwertige Optik.

Abketten mit 3 Nadeln (Three-Needle Bind-Off)

Diese Technik dient dazu, zwei Teile mit offenen Maschen gleichzeitig abzuketten und miteinander zu verbinden. Sie wird häufig für Schulternähte, Mützenanschlüsse oder Taschneböden verwendet.

Legen Sie die zwei Nadeln mit den offenen Maschen parallel aneinander und stricken Sie mit einer dritten Nadel jeweils eine Masche der vorderen und der hinteren Nadel zusammen rechts ab. Ketten Sie diese zusammengestrickten Maschen wie gewohnt ab.

I-Cord-Abketten für dekorative Kanten

Das I-Cord-Abketten fasst die offenen Maschen mit einer schmalen, gestrickten Kordel ein. Es verhindert das Einrollen von glatt rechtem Gestrick und erzeugt einen sauberen, abgerundeten Rand für Decken, Cardigan-Kanten oder Kapuzen.

Übersicht der Abkettmethoden

MethodeElastizitätBeste Verwendung
Standard-AbkettenNiedrigSchals, Decken, Taschenkanten, unelastische glatte Kanten
Jenys elastisches Abketten (JSSBO)Sehr hochDehnbare Sockenbündchen, Rippensäume, Lace-Kanten
Genähtes / Italienisches AbkettenHoch1x1-Rippenbündchen an Pulloverkragen, Mützen und Socken
Abketten mit 3 NadelnNiedrig bis mittelVerbinden offener Maschen bei Schulternähten und Taschenböden
I-Cord-AbkettenMittelDekorative Kordelkante für Decken, Jackenblenden und Kapuzen

Quellen