# Nahtlose Streifen beim Stricken in Runden
Sie haben die perfekten Farben ausgewählt, eine Mütze oder einen Ärmel angeschlagen und voller Freude Streifen gestrickt — nur um festzustellen, dass sich an der Rückseite eine störende kleine Treppe durch das Gestrick zieht, wo die Farben aufeinandertreffen. Dieser Versatz wird im Englischen oft als „Jog“ bezeichnet. Wenn Sie sich je gefragt haben, warum Streifen auf einem flach gestrickten Probelappen perfekt aussehen, beim Stricken in Runden aber leicht versetzt sind: Das ist keine Einbildung, sondern eine konstruktive Eigenschaft des Rundenstrickens. Zum Glück lässt sich das Problem leicht beheben, sobald man versteht, was auf den Nadeln passiert.
Diese Anleitung erklärt, warum dieser Versatz entsteht, und zeigt Ihnen eine zuverlässige Methode für nahtlose Streifen, die Sie bei Mützen, Loops, Socken, Ärmeln und nahtlosen Pullovern anwenden können.
Warum überhaupt ein Versatz entsteht
Es wirkt, als müsste Stricken in Runden perfekt übereinanderliegende waagerechte Farbringe erzeugen. In der Realität tut es das nicht — weil man nicht in geschlossenen Kreisen strickt, sondern in einer fortlaufenden Spirale.
Jede Runde beim Rundenstricken geht nahtlos in die nächste über. Das bedeutet, dass die „letzte“ Masche einer Runde und die „erste“ Masche der folgenden Runde nicht genau auf gleicher Höhe liegen — der Beginn einer neuen Runde sitzt immer ein Stückchen höher und seitlich versetzt. Bei einem einfarbigen Projekt ist diese Spirale unsichtbar, da die Garnfarbe identisch ist.
Sobald Sie jedoch die Farbe wechseln, wird die Spirale sichtbar. Wo die erste Masche der neuen Farbe auf die letzte Masche der alten Farbe trifft, entsteht eine kleine vertikale Stufe. Da die Runde wandert, zeigt sich dieser Versatz als diagonale Treppe an Ihren Farbwechseln. Je mehr Runden ein Streifen hoch ist, desto deutlicher fällt dieser Stufenversatz auf — besonders bei kontrastreichen Farbkombinationen.
Das zu wissen ist hilfreich: Der Versatz ist kein Fehler, den Sie gemacht haben. Er liegt in der Natur des Rundenstrickens begründet, weshalb Strickerinnen und Stricker spezielle Techniken entwickelt haben, um ihn auszugleichen.
Die Technik für nahtlose Streifen: Schritt für Schritt
Die bekannteste Methode nutzt eine abgehobene Masche aus der vorherigen Runde, um den Farbwechsel visuell anzuheben, sodass er waagerecht schließt. Am einfachsten lernt man die Technik bei Streifen, die mindestens drei Runden hoch sind, da sehr schmale Streifen aus nur ein oder zwei Runden nicht genug Raum für diesen Effekt bieten.
So funktioniert es:
Schritt 1: Die erste Farbe wie gewohnt stricken
Stricken Sie Ihren Streifen in der ersten Farbe für so viele Runden, wie in der Anleitung angegeben, bis zum Rundenmarkierer.
Schritt 2: Die neue Farbe normal ansetzen
Wenn der Farbwechsel ansteht, wechseln Sie zu Beginn der Runde ganz normal zur neuen Farbe. Lassen Sie den Arbeitsfaden der alten Farbe auf der Innenseite hängen, um ihn später wieder aufzunehmen (so sparen Sie sich das Abschneiden und spätere Vernähen).
Schritt 3: Die erste Runde in der neuen Farbe komplett stricken
Stricken Sie diese gesamte Runde ganz normal in der neuen Farbe. Hier passiert noch nichts Besonderes — diese Runde etabliert den neuen Streifen.
Schritt 4: Die erste Masche der zweiten Runde abheben
Das ist der entscheidende Schritt. Anstatt die allererste Masche der zweiten Runde in der neuen Farbe zu stricken, heben Sie diese Masche wie zum Linksstricken ab (fahren Sie mit der rechten Nadel wie zum Linksstricken in die Masche und heben Sie sie einfach ungestrickt auf die rechte Nadel). Stricken Sie danach den Rest der Runde ganz normal rechts weiter.
Durch das Abheben dieser einzelnen Masche wird die darunterliegende Masche — die aus dem Farbwechsel — nach oben gezogen. Dadurch wird der Versatz kaschiert und die Farbkante verläuft waagerecht.
Schritt 5: Normal weiterstricken
Stricken Sie die restlichen Runden dieses Streifens ganz normal. Wiederholen Sie die Schritte 2 bis 4 jedes Mal, wenn Sie eine neue Farbe einführen.
Eine nützliche Variante
Manche bevorzugen es, den Rundenmarkierer bei jedem Farbwechsel um eine Masche nach links zu versetzen, anstatt ihn an einer festen Stelle zu belassen. Dadurch wandert die Linie der abgehobenen Maschen in einer sanften Diagonale, was manche als noch unauffälliger empfinden. Beide Wege sind korrekt — probieren Sie auf einer Maschenprobe aus, was Ihnen besser gefällt.
Tipps für noch sauberere Ergebnisse
Passen Sie die Streifenhöhe an. Der nahtlose Übergang funktioniert am besten bei Streifen ab drei Runden Höhe. Bei sehr schmalen Streifen aus nur ein oder zwei Runden kann die abgehobene Masche das Gestrick leicht zusammenziehen. Hier verzichten viele auf die Technik und akzeptieren den kleineren Versatz.
Achten Sie auf gleichmäßige Fadenspannung. Wird eine abgehobene Masche zu fest angezogen, entsteht eine kleine Delle. Heben Sie die Masche mit derselben entspannten Spannung ab wie eine normale Strickmasche.
Faden mitführen statt abschneiden. Wenn Sie nur wenige Runden stricken, bevor Sie zur vorherigen Farbe zurückkehren, führen Sie den ruhenden Faden locker auf der Innenseite der Arbeit mit. Das hält die Kante sauber und spart Vernäharbeit.
Zuerst an einem kleinen Stück üben. Da die Technik darauf beruht, genau die erste Masche der zweiten Runde nach dem Farbwechsel abzuheben, lohnt es sich, erst einen kleinen Schlauch oder ein Bündchen zu stricken, um den Rhythmus zu verinnerlichen.
Zusammenfassung
Stufen beim Farbwechsel sind kein handwerklicher Mangel, sondern eine natürliche Folge der Spiralstruktur beim Rundenstricken. Mit dem einfachen Kniff — die erste Runde der neuen Farbe normal stricken, in der zweiten Runde die erste Masche abheben — zieht sich die Farbkante waagerecht glatt. Mit ein wenig Übung wird dieser Handgriff zur Routine und Ihre gestreiften Mützen, Loops und Pullover überzeugen mit sauberen Farbübergängen.






