# Rundpassen stricken im Island-Stil: So strickst du einen Lopapeysa-Pullover
Wenn du schon einmal einen Pullover mit einem breiten, gemusterten Kreis aus mehrfarbigem Einstrickmuster bewundert hast, der vom Ausschnitt nach außen verläuft, hast du einen Rundpassenpullover gesehen – und die berühmteste Variante dieses Stils ist der isländische Lopapeysa. Die gute Nachricht für Strickende ist, dass diese eindrucksvolle Silhouette auf einer wirklich zugänglichen Technik aufbaut. Es gibt keine komplizierten Formgebungen zu beachten, keine eingesetzten Ärmel festzunähen, und sobald du die Logik der Konstruktion verstanden hast, kannst du sie auf fast jedes beliebige Zählmuster anwenden. Dieser Ratgeber führt dich Schritt für Schritt durch den Aufbau des Pullovers, damit du deinen eigenen mit Selbstvertrauen stricken kannst.
Ein kurzes Wort zur Herkunft dieses Stils
Der Lopapeysa entstand Mitte des 20. Jahrhunderts in Island und basiert auf Lopi – einer Wolle mit sehr wenig bis gar keinem Drall, die direkt vom Isländischen Schaf gewonnen wird. Isländische Schafe besitzen ein charakteristisches doppeltes Vlies, und Lopi-Garn wird typischerweise als Mischung aus dem gröberen Deckhaar (tog) und der weichen Unterwolle (þel) gesponnen. Dies verleiht dem Garn hervorragende isolierende Eigenschaften und eine leichte, luftige Struktur, durch die mehrfarbige Muster besonders gut zur Geltung kommen. Wenn du die vollständige kulturelle Geschichte erfahren möchtest – wie das Kleidungsstück zum Nationalsymbol wurde –, ist das Thema für einen eigenen Artikel. Hier konzentrieren wir uns ganz darauf, wie man einen solchen Pullover strickt.
Die Konstruktion einer Rundpasse verstehen
Ein Rundpassenpullover wird in der Runde als ein weitgehend nahtloses Kleidungsstück gestrickt. Körper und Ärmel werden an den Achseln zusammengefügt, bevor das Farbmuster über den gesamten Umfang des Oberkörpers und beide Ärmelansätze gleichzeitig gearbeitet wird. Das ist das entscheidende Merkmal: Anstatt Vorderteil, Rückenteil und zwei Ärmel separat zu stricken und zusammenzunähen, bildest du eine einzige fortlaufende Röhre für die Passe. Dadurch können die Muster Motive ununterbrochen um den gesamten Pullover verlaufen.
Du kannst einen Rundpassenpullover in beiden Richtungen stricken:
Top-Down (von oben nach unten) beginnt am Ausschnitt. Du schlägst Maschen für die Halskante an, strickst die Musterpasse nach unten mit regelmäßigen Zunahmen für die nötige Weite, teilst dann in Körper und Ärmel auf und beendest jedes Teil separat. Dies ist der modernere Ansatz, vor allem weil du den Pullover zwischendurch anprobieren und die Länge vor dem Abketten anpassen kannst.
Bottom-Up (von unten nach oben) beginnt damit, dass der Körper als Röhre und die beiden Ärmel als separate Röhren jeweils bis zur Achsel gestrickt werden. An diesem Punkt nimmst du alle drei Teile auf eine lange Rundstricknadel, strickst die Musterpasse nach oben mit Abnahmen zur Formung von Schultern und Hals und schließt mit einem Bündchen ab. Viele traditionelle Lopapeysa-Anleitungen nutzen diese Methode.
Beide Ansätze führen zum gleichen Endergebnis. Die Richtung bestimmt hauptsächlich, wann du das Kleidungsstück anprobieren kannst und in welcher Reihenfolge du die Ausarbeitungsdetails erledigst.
Was du benötigst
- Wolle in Garnstärke Worsted oder Bulky – traditionell ein isländisches Lopi-Garn, das geschätzt wird, weil es das Maschenbild bei mehrfarbigen Einsätzen besonders klar wiedergibt
- Rundstricknadeln in zwei Längen (eine für den Körper, eine kürzere für die schmalere Passe und den Hals) sowie Nadelspiele oder eine zweite kurze Rundstricknadel für die Ärmel
- Einen Maschenmarkierer für den Rundenanfang
- Hilfsgarn oder Maschenhalter für die stillgelegten Achselmaschen
- Ein Passenschema (Zählmuster) in zwei oder mehr Farben sowie eine Stopfnadel zum Vernähen der vielen Fadenenden, die beim mehrfarbigen Stricken entstehen
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Einen Rundpassenpullover von oben nach unten (Top-Down) stricken
1. Anschlagen und den Ausschnitt arbeiten
Schlage die in deiner Anleitung angegebene Maschenzahl für den Halsumfang an und schließe die Maschen zur Runde. Achte darauf, das Gestrick nicht zu verdrehen. Stricke einige Runden im Rippenmuster oder im gewählten Bündchenmuster – da dieser Teil direkt am Hals liegt, lohnt sich hier ein elastischer Anschlag.
2. Die Musterpasse stricken
Das ist das Herzstück des Pullovers. Stricke gemäß Zählmuster Runden in Fair-Isle-Technik (Stranded Colorwork) und nimm in gleichmäßigen Abständen Maschen zu, um die Passe nach unten hin zu erweitern. Beim Einstrickmuster führst du zwei Fäden pro Runde und wechselst sie ab, um das Muster zu bilden, während der nicht benötigte Faden locker auf der Rückseite der Arbeit mitgeführt wird („Flottierung“). Traditionelle Lopapeysa-Passen verwenden meist nur zwei Farben pro Runde, was die Spannfäden überschaubar hält und für ein gleichmäßiges Maschenbild sorgt.
Einige praktische Hinweise:
- Halte deine Spannfäden locker. Mehrfarbiges Gestrick zieht sich zusammen, wenn der Faden auf der Rückseite zu straff gespannt ist – breite die Maschen auf der rechten Nadel beim Stricken immer wieder aus, damit die Flottierungen genug Spiel haben.
- Zunahmen sind meist in bestimmte Runden des Zählmusters eingebaut, oft so platziert, dass die Musterproportionen beim Erweitern der Passe erhalten bleiben.
- Probiere die Passe zwischendurch an (oder misst an einem gut sitzenden Pullover nach), um die Passentiefe zu überprüfen, bevor du weitermachst – die Passentiefe gehört zu den Dingen, die man am leichtesten falsch einschätzt, und sie lässt sich vor dem Aufteilen viel einfacher anpassen.
3. In Körper und Ärmel aufteilen
Sobald die Passe die richtige Tiefe erreicht hat, teilst du die Maschen in drei Gruppen auf: Körper (Vorder- und Rückenteil) und die zwei Ärmel. An jeder Achsel wird eine kleine Anzahl von Maschen stillgelegt – meist auf Hilfsgarn oder einem Maschenhalter, anstatt sie abzuketten. Die Körpermaschen werden zusammengenommen, um eigenständig weiter in der Runde gestrickt zu werden, wobei an jeder Achsellücke neue Maschen angeschlagen werden, um die stillgelegten Maschen auszugleichen. Die Ärmelmaschen werden ebenso aufgeteilt und separat geparkt, um später gestrickt zu werden.
Das ist der Moment, in dem aus der einen Röhre drei werden: eine große Schlaufe für den Körper und zwei kleinere Schlaufen, die später zu Ärmeln werden.
4. Den Körper stricken
Wenn die Ärmelmaschen sicher geparkt sind, strickst du den Körper in der Runde gerade nach unten bis zur gewünschten Länge weiter und schließt mit einem Bündchen oder einem anderen Saum ab. Da es keine Seitennähte gibt, strickst du einfach einen großen Zylinder – ein entspannter, unkomplizierter Abschnitt nach der Konzentration, die die Passe erfordert hat.
5. Die Ärmel stricken
Kehre zu den stillgelegten Ärmelmaschen zurück, nimm an der Achsellücke ein paar zusätzliche Maschen auf, um das kleine Loch am Übergang zu schließen, und stricke jeden Ärmel nach unten in der Runde. Nimm dabei in regelmäßigen Abständen Maschen ab, um den Ärmel zum Bündchen hin zu verjüngen. Beende jeden Ärmel mit einem Bündchen passend zu Körper und Hals.
6. Fäden vernähen und spannen
Einstrickmuster hinterlassen viele Fadenenden, besonders dort, wo du innerhalb einer Runde die Farbe gewechselt hast. Vernähe diese sauber auf der linken Seite und spanne den fertigen Pullover anschließend (Blocking) – leichtes Anfeuchten oder Dämpfen und flaches Trocknen hilft, die Maschenspannung über die gesamte Passe auszugleichen und verleiht dem Muster ein präzises, sauberes Aussehen.
Anpassung für das Stricken von unten nach oben (Bottom-Up)
Wenn deine Anleitung von unten nach oben arbeitet, kehrt sich die Logik einfach um: Stricke zuerst die Körperröhre und die beiden Ärmelröhren und lege die Achselmaschen bei jedem Teil auf Hilfsgarn stillegst, wenn du dich dem Übergang näherst. Verbinde dann alle drei Teile auf einer Rundstricknadel, stricke die Musterpasse nach oben, während du stetig Maschen abnimmst, um den Ausschnitt zu formen, und beende den Pullover mit dem Halsbündchen. Die zuvor stillgelegten Achselmaschen werden ganz am Ende im Maschenstich zusammengefügt oder zusammengenäht, um die kleinen Lücken zu schließen.
Häufige Fehlerbehebung und Tipps
- Unterschiedliche Spannung bei den Farben: Wenn eine Farbe deines Musters strammer oder lockerer wirkt als die andere, überprüfe, ob du bei den Spannfäden eine gleichmäßige Spannung beibehältst – unabhängig davon, wie oder in welcher Hand du die Garne führst.
- Sichtbare Stufe beim Rundenwechsel (Jog): Da in einer Spirale statt in flachen Reihen gestrickt wird, können Farbwechsel am Rundenanfang eine kleine Stufe bilden. Eine einfache Technik für versatzfreie Rundenübergänge (Jogless Join) gleicht dies bei jedem Farbwechsel aus.
- Spannungsprobleme an der Achsel: Wenn du an den Achsellücken zwei Maschen mehr aufnimmst als ursprünglich stillgelegt wurden, verhindert das Löcher und zu stramme Stellen an diesem stark beanspruchten Punkt.
- Eine Passe, die zu kurz oder zu lang wirkt: Da die Passentiefe gestrickt wird, bevor du dich auf die Körperlänge festlegst, ist dies der einfachste Zeitpunkt zum Anprobieren und Anpassen – scheue dich nicht, vor dem Aufteilen noch ein oder zwei Runden glatt rechts einzufügen oder wegzulassen.
Bereit, es selbst auszuprobieren
Die Rundpassenkonstruktion gehört zu den lohnendsten Techniken beim Stricken, weil das Ergebnis so direkt sichtbar ist – ein einziges Zählmuster verwandelt den gesamten Oberkörper eines Pullovers. Wenn du erst einmal einen gestrickt hast, wirst du merken, dass sich dieselben Fertigkeiten auf unzählige andere Rundpassen-Designs übertragen lassen, ob mit Farbmuster oder ohne. Schlage die Maschen an, stricke das Muster Runde für Runde und genieße es, zuzusehen, wie das Motiv entsteht.
Quellen
- Sweater Construction: The Many Ways to Knit a Sweater – tin can knits
- Simple Sweater: How to Knit a Top-Down Round Yoke Pullover – tin can knits
- Underarm Joining Tips for Bottom-up Seamless Sweaters – tin can knits
- Designing a Lopi Sweater with Lars Rains: Construction – Berroco Design Team Blog
- Lopapeysa – Wikipedia





