# Strickstücke filzen: Eine Anleitung zum Walken

Wenn Sie unseren ergänzenden Artikel zum Schutz von Handgestricktem vor versehentlichem Verfilzen gelesen haben, wissen Sie bereits, dass heißes Wasser und Reibung einen gut sitzenden Pullover in ein Puppenkleid verwandeln können. Aber genau dieselbe Verwandlung, wenn sie gezielt herbeigeführt wird, gehört zu den überraschendsten und zufriedenstellendsten Techniken im Repertoire von Strickenden. Das bewusste Filzen – im Textilbereich oft als Walken bezeichnet – verwandelt ein lockeres, offenes Gestrick in ein dichtes, robustes und nahezu unverwüstliches Material. Auf diese Weise entstehen Taschen, die ohne Futter ihre Form behalten, Hausschuhe, die nicht ausleiern, und Körbe, die von alleine stehen.

Dieser Ratgeber führt Sie von der Garnauswahl bis zum abschließenden Formgeben durch den gesamten Prozess, damit Sie mit Sicherheit filzen können, anstatt nur auf ein gutes Ergebnis zu hoffen.

Was Filzen tatsächlich mit Ihrem Gestrick macht

Wollfasern sind mit mikroskopisch kleinen Schuppen bedeckt, ähnlich wie Dachschindeln. In einem fertigen normalen Gestrick liegen diese Schuppen mehr oder weniger flach und ungestört an. Wenn Hitze, Feuchtigkeit, Seife und Reibung gleichzeitig einwirken, stellen sich die Schuppen auf und beginnen sich ineinander zu verhaken. Durch das ständige Walken wandern die Fasern, verbinden sich fest miteinander und das gesamte Werkstück schrumpft und verdichtet sich. Die einzelnen Maschen, die Sie gestrickt haben, verschwinden in einem festen, verfilzten Textil. Das ist Filzen – und bei einem Projekt, das speziell dafür gestrickt wurde, ist es genau das Ziel.

Dies funktioniert nur mit der richtigen Faser. Sie benötigen ein Garn, das mindestens Großteils aus Wolle oder einer anderen tierischen Faser besteht und unbehandelt sein muss. Superwash-Garne werden in der Spinnerei speziell beschichtet oder chemisch behandelt, damit sich die Schuppen nicht mehr verhaken können – genau das macht sie überhaupt erst maschinenwaschbar. Diese Behandlung ist dauerhaft: Selbst heißes Wasser und starkes Schrubben können ein Superwash-Garn nicht verfilzen. Heben Sie solche Garne für Projekte auf, die die Waschmaschine überstehen müssen, und greifen Sie zu unbehandelter Reine Wolle, Alpaka oder Wollmischungen, wenn Filzen das Ziel ist.

Schritt 1: Groß, locker und einfach stricken

Da Filzen das Gestrick schrumpft und verdichtet, muss Ihr Strickstück zu Beginn deutlich größer und lockerer sein als das gewünschte Endprodukt. Je nach Garn und Filzintensität schrumpfen Stücke typischerweise um 20 bis 40 Prozent in beide Richtungen, wobei glatt rechte Flächen in der Länge oft stärker einlaufen als in der Breite. Anleitungen, die speziell fürs Filzen geschrieben wurden, berücksichtigen diese Größenanpassung und Maschenprobe bereits. Es lohnt sich daher, beim ersten Mal ein erprobtes Filzmuster zu verwenden, anstatt die Maße selbst hochzurechnen.

Einige Strickentscheidungen sorgen für ein gleichmäßigeres Filzergebnis:

  • Verwenden Sie eine größere Nadelstärke als üblich für die jeweilige Garnstärke, damit das Gestrick locker und offen bleibt und die Fasern genügend Raum haben, sich zu bewegen und zu verhaken.
  • Bleiben Sie bei einfachen Maschenmustern. Glatt rechts oder kraus rechts filzt gleichmäßig; aufwendige Zopf- oder Lochmuster (Lace) können ihre Struktur komplett verlieren, sobald die Fasern verfilzen.
  • Vernähen Sie Fadenenden großzügig, anstatt lange Enden hängen zu lassen, da lose Fäden sonst zu seltsamen kleinen Büscheln verfilzen können.

Schritt 2: Zuerst eine Maschenprobe filzen und testen

Dies ist der Schritt, den man gerne überspringen möchte – und genau der, den man nicht überspringen sollte. Filzen ist nicht rückgängig zu machen: Sobald sich die Fasern verhakt haben, lässt sich das Gewebe weder wieder weiten noch entfilzen, wenn man es zu weit getrieben hat. Bevor Sie viele Stunden Strickarbeit in eine Tasche oder ein Paar Hausschuhe investieren, stricken Sie eine Maschenprobe aus Ihrem Originalgarn, messen Sie sie präzise aus und unterziehen Sie sie genau dem Filzprozess, den Sie planen. Messen Sie sie danach erneut. Dieser Vorher-Nachher-Vergleich zeigt Ihnen ungefähr, wie viel Schrumpfung Sie bei Ihrem spezifischen Garn, Ihrer Wassertemperatur und Ihrer Waschmaschine erwarten können.

Schritt 3: Wählen Sie Ihre Filzmethode

Handfilzen

Für kleine Gegenstände oder wenn Sie maximale Kontrolle wünschen, filzen Sie von Hand im Waschbecken oder einer Schüssel. Füllen Sie heißes Wasser und eine kleine Menge milder Seife ein, tauchen Sie das Stück unter und drücken sowie kneten Sie es wiederholt – drücke Sie es unter Wasser, heben Sie es an und pressen Sie es gegen die Beckenwand. Die Reibung und der Temperaturwechsel (ein zwischenzeitliches Eintauchen in kaltes Wasser kann helfen) regen die Fasern zum Verhaken an. Diese Methode erfordert körperlichen Einsatz und Geduld, erlaubt es Ihnen aber, das Gestrick ständig zu prüfen und genau dann aufzuhören, wenn die gewünschte Festigkeit erreicht ist.

Filzen in der Waschmaschine

Eine Toplader-Waschmaschine oder ein Standard-Waschgang mit hoher Mechanik erledigt diese Aufgabe schneller mit derselben Kombination aus heißem Wasser, Seife und Bewegung. Stellen Sie die Maschine auf einen Heißwaschgang mit dem niedrigsten Wasserstand ein, der das Stück noch vollständig bedeckt, geben Sie eine kleine Menge Waschmittel oder Spülmittel hinzu und lassen Sie den Waschgang laufen. Viele Strickende geben ein altes Handtuch oder eine Jeans mit in die Trommel, da die zusätzliche Reibung den Filzprozess beschleunigt. Da gefilzte Stücke Fasern an das Wasser abgeben, legen Sie das Strickstück in ein Wäschenetz oder einen Kissenbezug mit Reißverschluss, um Ihre Maschine zu schützen.

Moderne hocheffiziente Waschmaschinen ohne ausreichende Reibungsmechanik filzen Wolle meist nicht ausreichend, da sie auf sanftes Drehen statt auf kräftige Mechanik setzen.

Schritt 4: Regelmäßig kontrollieren

Welche Methode Sie auch wählen: Lassen Sie das Programm beim ersten Mal nicht unbeaufsichtigt durchlaufen. Stoppen Sie die Maschine oder unterbrechen Sie das Handfilzen alle paar Minuten und nehmen Sie das Stück heraus, um Größe und Struktur zu überprüfen. Sie suchen nach dem Punkt, an dem die einzelnen Maschen zu einer glatten, dichten Oberfläche ohne sichtbare Zwischenräume verschmelzen. Sobald Ihnen das Ergebnis gefällt, stoppen Sie sofort – spülen Sie das Stück in kühlem Wasser aus, um die Fasern zu fixieren, und verzichten Sie auf Schleudergänge oder lange Spülgänge, die das Stück weiter bearbeiten würden. Da Filzen irreversibel ist, ist es immer besser, etwas zu früh aufzuhören und gegebenenfalls eine kurze zweite Runde einzulegen.

Schritt 5: In Form bringen und trocknen

Frisch aus dem Wasser ist gefilztes Gewebe schwer, nass und sehr formbar – das ist Ihr Zeitfenster, um es in Form zu bringen. Rollen Sie flache Stücke in ein Handtuch, um überschüssiges Wasser auszudrücken, legen Sie sie anschließend flach aus und spannen oder stecken Sie sie auf die exakten Wunschmaße. Bei dreidimensionalen Formen wie Taschen oder Körben stopfen Sie das Stück mit Plastiktüten, Handtüchern oder einer Form aus, damit es beim Trocknen seine Gestalt behält – gefilzte Wolle trocknet bereitwillig in jeder Form, in der man sie liegen lässt. Das Trocknen kann je nach Dicke und Luftfeuchtigkeit ein bis zwei Tage dauern; suchen Sie daher einen gut belüfteten Ort und haben Sie Geduld.

Was lässt sich aus gefilzten Strickstücken herstellen?

Die Dichte und Stabilität von gefilztem Gewebe machen es besonders geeignet für Projekte, die von selbst Form halten müssen, ohne dass ein Futter erforderlich ist: robuste Einkaufstaschen und Handtaschen, Hausschuhe, die beim Tragen nicht ausleiern, sowie Körbe oder Schalen, die aufrecht im Regal stehen. Da der fertige Stoff dick und winddicht ist, findet man gefilzte Wolle auch häufig bei Fäustlingen, Mützen und Akzenten an Oberbekleidung, wo Wärme und Haltbarkeit wichtiger sind als feine Maschendefinition.

Das Filzen stellt die üblichen Strickregeln auf den Kopf – Sie stricken für eine Form und Größe, die das Gewebe erst erhält, nachdem es die Nadeln verlassen hat. Testen Sie zuerst mit einer Maschenprobe, beobachten Sie den Prozess aufmerksam, und Sie werden mit einigen der strapazierfähigsten und zufriedenstellendsten Stücke in Ihrem Strickkorb belohnt.

Quellen