# Reihen und Maschen beim Stricken genau zählen
Wenn Sie Ihr Gestrick jemals für den Abend zur Seite gelegt und am nächsten Tag wieder aufgenommen haben, ohne die geringste Ahnung zu haben, wo Sie aufgehört haben, sind Sie in bester Gesellschaft. Den Überblick über die Reihenzahl zu verlieren, gehört zu den häufigsten Frustrationen beim Stricken lernen. Es ist jedoch auch eines der am einfachsten zu lösenden Probleme, sobald man ein paar verlässliche Kniffe kennt.
Die gute Nachricht ist: Ihr Gestrick führt bereits Buch für Sie. Jede Masche, die Sie machen, hinterlässt eine sichtbare Spur im Gewebe. Wenn Sie einmal gelernt haben, dieses Gestrick zu „lesen“, müssen Sie selten wieder raten. Kombinieren Sie diese Fähigkeit mit einer einfachen Gewohnheit zum Mitzählen, und falsch gezählte Reihen gehören der Vergangenheit an.
Warum das Reihenzählen so vielen Anfängern schwerfällt
Reihen zu zählen klingt denkbar einfach: Man zählt schließlich einfach nach jeder fertiggestellten Reihe eins dazu, oder? In der Praxis kommen jedoch einige Dinge dazwischen. Anleitungen wiederholen Anweisungen oft über viele Reihen hinweg, Anrufe oder kleine Pausen unterbrechen den Rhythmus, und Muster wie Kraus rechts oder Perlmuster können von Reihe zu Reihe täuschend ähnlich aussehen. Ohne ein festes System verliert man leicht den Faden – besonders bei Projekten, die sich über mehrere Tage oder Wochen ziehen.
Die Lösung ist nicht ein einziger Zaubertrick, sondern ein kleines Werkzeugset: Lernen Sie, Ihre Maschen zu lesen, und sichern Sie sich mit einer einfachen Zählmethode ab, damit Sie sich nie allein auf Ihr Gedächtnis verlassen müssen.
Das Gestrick lesen: Der beste eingebaute Reihenzähler
Bevor Sie zu irgendeinem Hilfsmittel greifen, hilft es zu wissen, dass Ihr Gestrick selbst Ihnen genau zeigt, wie viele Reihen Sie bereits gearbeitet haben. Das wird oft als „das Gestrick lesen“ bezeichnet – eine Fähigkeit, die sich schon früh zu entwickeln lohnt.
Reihen bei Glatt-rechts-Muster zählen
Glatt-rechts-Muster (die glatte Seite, die entsteht, wenn man eine Reihe rechts und eine Reihe links strickt) bildet ein Gewebe aus kleinen V-Formen, die in Spalten übereinanderstehen. Jedes V besteht aus zwei diagonalen Garnsträngen, und jedes V steht für eine Reihe.
Zum Zählen wählen Sie eine einzelne Maschenspalte, die senkrecht nach oben verläuft, und zählen die V-Formen von unten nach oben. Die Schlingen direkt an der Anschlagkante zählen Sie dabei nicht mit. Wenn Sie auf halbem Weg den Faden verlieren, setzen Sie einen verschließbaren Maschenmarkierer an das letzte gezählte V, um einen zuverlässigen Orientierungspunkt zu haben.
Reihen bei Kraus-rechts-Muster zählen
Kraus-rechts-Muster (das entsteht, wenn jede Reihe rechts gestrickt wird) sieht anders aus als Glatt-rechts, da es waagerechte Rippen (Kraussicken) bildet anstelle von V-Spalten. Das sind gute Nachrichten fürs Zählen, denn die Rippen lassen sich auf einen Blick erkennen.
Hier ist das entscheidende Detail: Jede sichtbare Kraussicke steht für zwei Reihen, nicht für eine. Beim Stricken wechselt das Gestrick zwischen einem flachen Verlauf und einer erhöhten Kraussicke ab. Ein vollständiges Paar aus Flachstelle und Sicke entspricht zwei gestrickten Reihen. Wenn Sie also sechs Sicken zählen, haben Sie zwölf Reihen gestrickt. Das ist einer der nützlichsten Fakten in der gesamten Anfänger-Strickpraxis, da Kraus-rechts sehr häufig bei Schals, Spültüchern und Bündchen vorkommt.
Rippenmuster und andere Strukturmuster lesen
Rippenmuster (abwechselnde rechte und linke Maschenspalten, wie 1x1 oder 2x2) lassen sich fast genauso lesen wie Glatt-rechts. Konzentrieren Sie sich einfach auf die rechten Maschenspalten, die weiterhin V-Formen bilden, und zählen Sie diese wie bei glatt rechtem Gestrick. Bei strukturierteren Mustern wie Perlmuster hilft es, die Masche direkt unter der Arbeitsnadel zu betrachten und festzustellen, ob es sich um eine rechte oder linke Masche handelt. Das verrät Ihnen, welche Musterreihe Sie gerade beendet haben, sodass Sie genau wissen, was als Nächstes kommt – selbst wenn Sie in der geschriebenen Anleitung die Orientierung verloren haben.
Unkomplizierte Methoden zum Mitzählen der Reihen
Das Gestrick lesen zu können ist eine mächtige Fähigkeit. Kombiniert mit einer aktiven Zählgewohnheit müssen Sie sich jedoch selten nachträglich darauf verlassen. Hier sind die einfachsten und einsteigerfreundlichsten Methoden.
Reihenzähler-Werkzeuge
Ein dedizierter Reihenzähler ist ein kleines Gerät, das Sie einmal pro Reihe drücken, drehen oder tippen. Manche lassen sich direkt auf die Stricknadel schieben, andere hängen an einem Band um den Hals oder werden an der Projekttasche befestigt. Da das Drücken zum festen Ritual am Reihenende wird, ist dies eine der verlässlichsten Methoden, sobald die Gewohnheit sitzt.
Strick-Apps
Viele Strickende nutzen heutzutage eine Smartphone-App anstelle eines physischen Zählers (oder ergänzend dazu). In diesen Apps lässt sich meist per Tippen die Reihenzahl erhöhen, für jedes Projekt ein eigener Zähler anlegen und manchmal sogar mehrere Zähler gleichzeitig verwalten – sehr praktisch für Muster mit verschachtelten Wiederholungen.
Strichlisten und Notizbücher
Sie benötigen keinerlei Spezialausrüstung. Eine einfache Strichliste auf einem Klebezettel oder in einem kleinen Projektnotizbuch funktioniert genauso gut. Machen Sie am Ende jeder Reihe einen Strich und fassen Sie die Striche in Fünfergruppen zusammen, um sie später schnell zu überblicken. Diese Methode dient gleichzeitig als Projekttagebuch, da Sie sich Notizen zur Nadelstärke oder zum aktuellen Stand aufschreiben können.
Maschenmarkierer alle zehn Reihen
Statt jede einzelne Reihe zu markieren, bevorzugen es manche Strickende, alle zehn Reihen einen kleinen, verschließbaren Maschenmarkierer an der Kante des Gestracks anzubringen. Das schafft visuelle Meilensteine entlang der Seite Ihres Werkstücks. So können Sie schnell von Markierer zu Markierer zählen, anstatt Reihe für Reihe durchzugehen – und es dient als integrierte Überprüfung, wenn Sie Ihren Stand mit der Anleitung abgleichen wollen.
Maschen auf der Nadel zählen, ohne den Faden zu verlieren
Das Zählen der aktiven Maschen auf der Nadel ist eine etwas andere Herausforderung als das Zählen von Reihen, profitiert aber von derselben Idee: Zählen Sie nach Möglichkeit nicht einzeln.
- Zählen Sie in kleinen Gruppen. Statt Masche für Masche zu zählen, zählen Sie in Fünfer- oder Zehnergruppen und berühren Sie jede Gruppe beim Zählen mit der Fingerspitze. Das ist deutlich weniger fehleranfällig als Einzelzählen, besonders bei einer hohen Maschenzahl auf der Nadel.
- Nutzen Sie Markierer als Zwischenstopps. Schieben Sie beim Zählen alle zehn oder zwanzig Maschen einen herausnehmbaren Maschenmarkierer auf die Nadel. Wenn das Telefon klingelt oder Sie abgelenkt werden, können Sie am letzten Markierer anknüpfen, anstatt ganz von vorn zu beginnen.
- Zählen Sie Umschläge als einzelne Masche. Wenn Sie eine Reihe zählen, die Umschläge enthält, denken Sie daran, dass jeder Umschlag als eine Masche zählt – auch wenn er bis zur nächsten Reihe nur wie eine lose Garnschlinge aussieht.
- Prüfen Sie mit einem einfachen visuellen Hinweis. Bei einem flach gestrickten Stück lohnt sich ein Blick darauf, auf welcher Seite der Anschlagfaden im Verhältnis zum Arbeitsfaden liegt. Wenn er nach einer bestimmten Reihe immer auf derselben Seite landet, ist das eine schnelle Bestätigung, dass Sie nicht versehentlich eine Reihe zu viel oder zu wenig gestrickt haben.
Die Gewohnheit aufbauen
Keine dieser Methoden erfordert ein besonderes Talent, sondern lediglich ein wenig Konsequenz. Wählen Sie eine Mitzählmethode, die zu Ihrer Arbeitsweise passt (ein physischer Zähler für zu Hause, eine App für unterwegs oder eine Strichliste für minimalistisches Arbeiten), und verknüpfen Sie sie mit dem Lesen der V-Formen und Kraussicken. Innerhalb weniger Projekte wird der Blick auf das Gestrick zur Bestätigung der Reihenzahl genauso natürlich sein wie das Stricken der Maschen selbst – und frustrierende „Wo war ich stehengeblieben?“-Momente gehören der Vergangenheit an.
