# Kraus rechts vs. Glatt rechts: Die zwei grundlegenden Strickmuster erklärt

Wenn Sie gerade erst mit dem Stricken begonnen haben, haben Sie diese beiden Muster wahrscheinlich schon gestrickt, ohne ihre Namen zu kennen. Kraus rechts und glatt rechts sind die zwei grundlegenden Bausteine des Strickens – fast jede Anleitung greift auf das eine, das andere oder eine Kombination aus beiden zurück. Sobald Sie sie optisch und haptisch unterscheiden können, werden Sie Strickanleitungen schneller verstehen und bessere Entscheidungen für Ihre Projekte treffen.

Erfahren Sie hier genau, wie beide Muster entstehen, woran man sie erkennt und wann welches Muster eingesetzt wird.

Was ist kraus rechts?

Kraus rechts (oft auch als Krausrippe bezeichnet) ist das einfachste Strickmuster und meist das Erste, was Anfänger lernen. Die Technik ist denkbar unkompliziert: Sie stricken jede einzelne Reihe rechts, egal ob Sie auf Geradstricknadeln in Hin- und Rückreihen arbeiten. Sie müssen keine linken Maschen bedenken und keine Vorder- oder Rückseite unterscheiden.

Diese Einfachheit erzeugt ein sehr charakteristisches Gestrick. Kraus rechts sieht auf beiden Seiten identisch aus – eine Abfolge waagerechter Rippen über das gesamte Strickstück. Jede Rippe entsteht aus zwei gestrickten Reihen. Wenn Sie Reihen zählen möchten, zählen Sie einfach die Rippen und verdoppeln die Zahl.

Woran man kraus rechts erkennt

  • Gerippte Struktur, die man sehen und fühlen kann (wie kleine waagerechte Wellen)
  • Identische Vorder- und Rückseite – beim Wenden sieht das Gestrick genau gleich aus
  • Liegt vollkommen flach, ohne sich an den Rändern einzurollen
  • Weich und elastisch beim Anfassen, mit guter Dehnbarkeit in alle Richtungen

Kraus rechts verzeiht optisch zudem kleine Unregelmäßigkeiten in der Fadenspannung, da diese in der Rippenstruktur untergehen. Das macht es zu einem idealen Muster für den Einstieg.

Was ist glatt rechts?

Glatt rechts (im Englischen „Stockinette Stitch“) entsteht beim Flachstricken durch das Abwechseln einer Reihe rechter Maschen und einer Reihe linker Maschen. Beim Stricken in Runden wird hingegen jede Runde rechts gestrickt. Dieser Wechsel ist das ganze Geheimnis – und erzeugt ein völlig anderes Erscheinungsbild als kraus rechts.

Die Vorderseite (Schauseite) von glatt rechts zeigt glatte, ineinandergreifende V-Formen, die sauber in Spalten angeordnet sind. Es ist genau das Muster, das die meisten vor Augen haben, wenn sie an einen klassischen Strickpullover denken. Wendet man das Strickstück jedoch, zeigt die Rückseite ein komplett anderes Bild: Sie ist übersät mit kleinen waagerechten Knötchen, den sogenannten linken Maschenwellen. Diese unebene Seite entspricht strukturell einer Seite von kraus rechts.

Woran man glatt rechts erkennt

  • Glatte V-förmige Maschen auf der Vorderseite, angeordnet in sauberen senkrechten Spalten
  • Unruhige, strukturierte Rückseite, die völlig anders aussieht als die Vorderseite
  • Rollt sich an den Rändern ein – der obere und untere Rand rollen sich zur glatten Seite, die Seitenränder zur Rückseite
  • Fällt weich und ist in der Breite dehnbarer als in der Höhe

Das Einrollen ist das verlässliche Erkennungsmerkmal für glatt rechts. Es entsteht, weil rechte und linke Maschen das Gestrick in leicht unterschiedliche Richtungen ziehen und bei reinem glatt rechts kein Ausgleich stattfindet. Das ist kein Fehler, sondern eine natürliche Eigenschaft des Musters. Daher werden häufig Blenden aus kraus rechts oder Rippenmustern angestrickt, um das Einrollen zu verhindern.

Kraus rechts vs. Glatt rechts: Ein direkter Vergleich

Kraus rechtsGlatt rechts
HerstellungJede Reihe rechts strickenAlternierend 1 Reihe rechts, 1 Reihe links
Vorder- vs. RückseiteIdentisch (wendbar)Unterschiedlich (glatte V's vs. linke Knötchen)
StrukturWaagerechte RippenGlatte Vorderseite, strukturierte Rückseite
EinrollenLiegt flachRollt an allen Rändern
DehnungDehnbar in beide Richtungen, besonders in der HöheBreitenelastisch, fällt weicher
DichteDichter, verbraucht mehr Garn pro Zentimeter HöheOffener und fließender
SchwierigkeitAm einfachsten – eine Technik, kein MitzählenEtwas schwerer – erfordert linke Maschen und Strukturübersicht

Wann man kraus rechts verwendet

Da kraus rechts flach liegt und sich nicht einrollt, ist es überall dort die erste Wahl, wo ein formstabiles Gestrick ohne zusätzliche Umrandung benötigt wird. Kraus rechts eignet sich hervorragend für:

  • Schals und Decken, bei denen ein flacher, nicht rollender Rand wichtig ist und ein kuschliges, griffiges Gestrick gewünscht wird
  • Bündchen und Edgings an glatt rechten Teilen, da einige Reihen kraus rechts das Einrollen des Randes stoppen
  • Spültücher und Waschlappen, bei denen die Gerippestruktur zusätzliche Reinigungswirkung bietet
  • Anfängerprojekte aller Art, da nur eine Maschenart beherrscht werden muss und kleine Fehler im Muster unsichtbar bleiben

Bedenken Sie, dass kraus rechts mehr Garn verbraucht und Reihe für Reihe etwas langsamer wächst als glatt rechts, da jede Rippe aus zwei Reihen besteht. Es empfiehlt sich zudem eine eigene Maschenprobe, da die Maschenprobe bei kraus rechts selbst bei gleicher Nadel- und Garnstärke anders ausfällt als bei glatt rechts.

Wann man glatt rechts verwendet

Glatt rechts ist das Standardmuster für Kleidungsstücke, weil es weich fällt und sich den Körperformen anpasst. Wählen Sie glatt rechts für:

  • Pullover, Strickjacken und figurbetonte Kleidung, bei denen eine glatte Oberfläche und ein schöner Fall gewünscht sind
  • Einstrickmuster und Colorwork, da die flachen, gleichmäßigen V-Maschen Farbmuster und Motive klar zur Geltung bringen
  • Socken und Mützen, besonders beim Stricken in Runden, wo keine linken Maschen nötig sind und das Einrollen entfällt, da das Strickstück ein geschlossener Schlauch ist
  • Überall dort, wo sich das Gestrick sanft mit dem Körper mitbewegen soll

Der Kompromiss besteht darin, dass flach gestricktes glatt rechts immer eine Art Rand benötigt – etwa ein Bündchen im Rippenmuster, kraus rechts oder Perlmuster –, damit sich die Ränder nicht einrollen. Ein Schal ohne Rand aus glatt rechts würde sich zu einer Rolle zusammenziehen.

Eine einfache Eselsbrücke

Eine kurze Formel zum Merken: Kraus rechts ist „schlicht, aber flach“ und glatt rechts ist „schön, aber rollt“. Kraus rechts tauscht aufwendige Optik gegen Verlässlichkeit – es liegt immer flach und sieht von beiden Seiten gleich aus. Glatt rechts bietet dafür ein glattes, edles Erscheinungsbild, benötigt aber Unterstützung an den Rändern.

Sobald Sie von jedem Muster ein kleines Probeläppchen gestrickt haben – schon 20 Maschen über 20 Reihen genügen –, werden Sie beide nie wieder verwechseln. Schlagen Sie Maschen an, stricken Sie einige Zentimeter kraus rechts und wechseln Sie auf demselben Lappen zu glatt rechts. Spüren Sie den Unterschied in den Händen und beobachten Sie, wie sich die Ränder verhalten.

Quellen