# Passformzugabe (Ease) und Größenwahl: So finden Sie beim Stricken die perfekte Passform

Sie haben die perfekte Strickanleitung gefunden und ein wunderschönes Garn ausgesucht. Und nun stehen Sie vor einer Größentabelle mit acht Spalten und fragen sich, ob Sie Größe S, L oder irgendetwas dazwischen stricken sollten. Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, sind Sie nicht allein – die Größenwahl gehört zu den häufigsten Unsicherheiten beim Stricken.

Die gute Nachricht: Sobald Sie das Konzept der Passformzugabe (im Englischen „Ease“ genannt) verstanden haben, löst sich das Rätsel auf. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen, was Passformzugabe bedeutet, wie Sie Ihren Körper sowie ein gut sitzendes Kleidungsstück richtig ausmessen und wie Sie die passende Größe auswählen.

Was bedeutet Passformzugabe (Ease) beim Stricken?

Passformzugabe ist die Differenz zwischen Ihren tatsächlichen Körpermaßen und den Maßen des fertigen Strickstücks. Es handelt sich um den „Extra-Raum“ (oder dessen Fehlen), der in ein Design eingerechnet ist. Dieser Faktor bestimmt maßgeblich, ob sich ein Pullover körpernah, locker oder oversized anfühlt – unabhängig von der Größenbezeichnung auf dem Etikett.

Jede Strickanleitung wird mit einer bestimmten Passformzugabe entworfen. Oft findet sich der Hinweis: „Entworfen mit einer positiven Passformzugabe von 10 cm“. Wer diese Zeile versteht, vermeidet Enttäuschungen durch Pullover, die zwar rechnerisch passen, aber nicht so sitzen wie gewünscht.

Es gibt drei Kategorien von Passformzugaben:

Positive Passformzugabe / Mehrweite (Positive Ease)

Mehrweite bedeutet, dass das fertige Kleidungsstück größer ist als Ihr tatsächlicher Körperumfang. Ein klassischer Pullover hat etwa 5 bis 10 cm Mehrweite am Brustumfang, während ein oversized geschnittener Cardigan 20 cm oder mehr Zusatzweite aufweisen kann. Mehrweite sorgt für einen entspannten, fließenden Sitz.

Negative Passformzugabe / Minderweite (Negative Ease)

Minderweite bedeutet das Gegenteil: Das fertige Kleidungsstück ist kleiner als Ihr Körpermaß. Das Gestrick dehnt sich beim Tragen an den Körper an. Dies funktioniert, weil Strickgewebe elastisch ist – besonders bei Rippenmustern. Mützen, Socken oder körpernahe Rippenpullover werden oft mit Minderweite gestrickt, damit sie anliegen und nicht rutschen.

Keine Passformzugabe / Neutrale Passform (Zero Ease)

Hier entsprechen die Maße des fertigen Kleidungsstücks exakt Ihren Körpermaßen. Dies ergibt eine körpernahe Silhouette ohne Dehnung oder überschüssigen Stoff. Diese Variante wird häufig für taillierte Cardigans oder klassische Tops gewählt.

Keine dieser Varianten ist „richtig“ oder „falsch“ – es handelt sich um unterschiedliche Designentscheidungen. Ein weiter Pullover und eine eng anliegende Strickjacke können bei identischen Körpermaßen und gleicher Maschenprobe gestrickt werden – nur mit unterschiedlicher Passformzugabe.

So nehmen Sie richtig Maß an Ihrem Körper

Für Pullover und Strickjacken ist der Brustumfang das wichtigste Maß, da Anleitungen meist darauf aufgebaut sind.

  1. Messen Sie an der breitesten Stelle der Brust, führen Sie das Maßband waagerecht und am Körper anliegend, aber nicht stramm gezogen. Tragen Sie dabei das, was Sie auch unter dem fertigen Pullover tragen würden.
  2. Unterscheidet sich Ihr Brustumfang stark von Ihrem Unterbrustumfang, messen Sie zusätzlich den oberen Brustumfang (direkt unter den Achseln über der Brust). Viele nutzen diesen Wert als Basis für die Größenwahl, da er die Schulterpartie oft genauer widerspiegelt.
  3. Messen Sie die Körperlänge vom Halsansatz bis zur gewünschten Saumkante.
  4. Messen Sie die Armlänge vom Schulterpunkt bis zum Handgelenk sowie den Oberarmumfang.

Notieren Sie diese Werte als feste Grundlage für zukünftige Projekte.

So messen Sie ein Lieblingskleidungsstück ab

Eine besonders einfache Methode: Nehmen Sie einen gut sitzenden Pullover aus Ihrem Kleiderschrank, legen Sie ihn flach auf einen Tisch und messen Sie ihn direkt aus.

  • Brustbreite: Messen Sie direkt von Achsel zu Achsel und verdoppeln Sie den Wert für den Gesamtumfang.
  • Gesamtlänge: Messen Sie vom Kragenansatz (oder der Achsel) bis zum Saum.
  • Ärmellänge: Messen Sie von der Achselnaht bis zum Bündchen.

Vergleichen Sie diese Werte direkt mit der Spalte „Fertige Maße“ in der Größentabelle der Anleitung. Das erleichtert die Entscheidung, da die Passformzugabe in Ihrem Lieblingspullover bereits enthalten ist.

Schritt für Schritt: So wählen Sie Ihre Größe

  1. Suchen Sie die Tabelle der fertigen Maße in der Anleitung. Gute Anleitungen listen die tatsächlichen Maße des fertigen Kleidungsstücks auf.
  2. Prüfen Sie die Empfehlung der Designerin / des Designers zur Passformzugabe.
  3. Bestimmen Sie Ihre gewünschte Passform (z. B. körpernah oder locker).
  4. Rechnen Sie: Nehmen Sie Ihren Brustumfang und rechnen Sie die gewünschte Mehrweite hinzu (oder Minderweite ab). Suchen Sie diesen Zielwert in der Spalte für den fertigen Brustumfang.
  5. Wählen Sie die am nächsten liegende Größe.
  6. Wenn Sie zwischen zwei Größen liegen: Wählen Sie nach Priorität. Bei Pullovern ist der Brustumfang meist entscheidend, da Längen an Körper und Ärmeln beim Stricken oft leicht angepasst werden können.
  7. Passen Sie Details an: Wenn Sie wegen der Brustweite eine größere Nummer wählen, können Sie Ärmel oder Rumpf bei Bedarf etwas kürzer stricken, um die Proportionen zu wahren.
  8. Überprüfen Sie unbedingt Ihre Maschenprobe. Die Größentabelle funktioniert nur, wenn Ihre Maschenprobe exakt stimmt. Bereits kleine Abweichungen summieren sich über den gesamten Umfang auf.

Weitere wichtige Punkte, die Sie beachten sollten

Material und Muster beeinflussen das Trageverhalten. Ein dichtes Fair-Isle-Muster dehnt sich kaum und benötigt etwas Mehrweite. Ein leichtes Garn oder ein Patentmuster dehnt sich hingegen stärker als reine Zahlen vermuten lassen.

Oversized bedeutet nicht einfach „mehrere Nummern größer stricken“. Wenn ein Schnitt figurbetont konstruiert ist, führt das einfache Wählen einer viel zu großen Nummer oft zu schlecht sitzenden Schultern und zu tiefen Ausschnitten. Für einen Oversized-Look eignen sich Anleitungen, die speziell dafür entworfen wurden.

Mit Ihren eigenen Maßen und dem Verständnis für Passformzugabe wird die Größenwahl von der Ungewissheit zu einem klaren, nachvollziehbaren Schritt bei jedem Strickprojekt.

Quellen