Was ist Patentstricken wirklich?

Wenn Sie schon einmal durch Strickanleitungen gestöbert haben, sind Ihnen wahrscheinlich Brioche- bzw. Patentprojekte aufgefallen: Loops, Mützen und Decken mit einer so weichen, dreidimensionalen Struktur, dass sie fast aufgeblasen wirken. Vielleicht haben Sie auch die Anmerkungen in den Anleitungen gesehen – Reihen voller unvertrauter Abkürzungen wie „brk“, „sl1yo“ und „burp“ – und den Tab leise wieder geschlossen.

Hier ist die gute Nachricht: Patentstricken (Brioche) ist keine völlig neue Disziplin, die Sie von Grund auf erlernen müssen. Es ist ein kleiner, wiederholbarer Kniff, der auf den rechten und linken Maschen aufbaut, die Sie bereits beherrschen. Wenn Sie einmal den einen Handgriff verstanden haben, der das Ganze ausmacht, ist der Rest nur noch Wiederholung.

Im Kern ist Brioche eine Familie von Stricktechniken, die auf Umschlägen basieren, die zusammen mit einer abgehobenen Masche der Vorreihe abgestrickt werden. Diese Kombination – eine Masche abheben, mit einem Umschlag versehen und beide eine Reihe später zusammenstricken – erzeugt die charakteristische, voluminöse Rippenstruktur von Brioche. Es ist weniger ein einzelnes Muster als vielmehr eine Methode, die auf unterschiedliche Weise angewendet werden kann. Je nach Epoche und Region finden sich daher verschiedene Bezeichnungen, darunter im deutschsprachigen Raum klassischerweise „Patentmuster“ oder „englisches Patent“.

Warum fühlt sich Brioche-Gestrick so anders an?

Beim normalen Stricken entsteht eine Schlinge pro Masche und Reihe. Brioche baut zwei Schlingen in derselben Maschensäule auf, bevor sie zusammengefügt werden. Genau deshalb verhält sich das Gestrick völlig anders als ein Standard-Rippenmuster oder Glatt-Rechts-Muster:

  • Es ist spürbar weicher und dicker. Da jede fertige Masche eigentlich aus einer gestrickten Masche plus einem Umschlag aus der vorherigen Reihe besteht, besitzt Brioche-Gestrick mehr Bauschkraft und Elastizität als einfaches Gestrick mit demselben Garn und denselben Nadeln.
  • Es ist vollständig wendenützlich (wendbar). Klassisches Patent wechselt rechte und linke Maschensäulen ab, die auf beiden Seiten gleich gearbeitet werden, sodass es keine ausgeprägte „Rückseite“ gibt. Das macht es ideal für Schals, Loops und Decken, die von allen Seiten zu sehen sind.
  • Es wird in Reihenpaaren (oder Rundenpaaren) gestrickt. Da in jedem Durchgang nur die Hälfte der Maschen tatsächlich abgestrickt wird – der Rest wird abgehoben und mitgenommen –, werden die meisten Patentmuster in Zwei-Reihen- (oder Zwei-Runden-)Rapporten gearbeitet. Das ist der Punkt, der viele verwirrt, die eine Anleitung nur flüchtig überfliegen; nach einer kurzen Maschenprobe wird es jedoch schnell intuitiv.

Der Kern des Ganzen: brk und Umschlag

Fast alles beim Patentstricken läuft auf eine Kombination hinaus, die oft als brk abgekürzt wird, kurz für „Brioche Knit“ (Patent-Rechtsmasche). Ein brk wird in eine Masche gestrickt, die zusammen mit einem Umschlag aus der Vorreihe auf der Nadel liegt – im Wesentlichen stricken Sie die Masche und ihren Umschlag zusammen ab, als wären sie eine einzelne Masche.

Der Vorbereitungsschritt für dieses Paar wird meist als sl1yo (Slip 1, Yarn Over – 1 Masche mit Umschlag abheben) notiert: Sie heben eine Masche wie zum Linksstricken ab, während Sie den Faden über die Nadel führen. Dadurch wird eine Schlaufe des Arbeitsfadens über der abgehobenen Masche geparkt, die beim nächsten Durchgang mit abgestrickt wird. Manche Anleitungen nennen den entsprechenden linksgestrickten Schritt „brp“ oder die zusammengestrickte Masche „brk2tog“ – verschiedene Designer und Bücher nutzen leicht abweichende Abkürzungen, aber die grundlegende Mechanik bleibt stets dieselbe.

Die Stricklehrerin und Brioche-Spezialistin Nancy Marchant hat wesentlich zur Standardisierung dieses Vokabulars beigetragen. Deshalb tauchen Begriffe wie brk in modernen Anleitungen durchgängig auf, obwohl die Patenttechnik selbst viel älter ist.

Einfarbiges vs. zweifarbiges Patentstricken

Sobald Sie sich mit der grundlegenden Kombination aus brk und sl1yo wohlfühlen, verzweigt sich das Patentstricken in zwei Richtungen:

Einfarbiges Patent nutzt durchgehend ein Garn und erzeugt ein weiches, tief strukturiertes Rippengestrick. Es ist der beste Einstieg, da Sie sich nur auf die Maschenmechanik konzentrieren müssen – ohne zusätzliches Farbmanagement.

Zweifarbiges Patent nutzt zwei Kontrastgarne in abwechselnden Durchgängen. Hier entstehen die eindrucksvollen, reich gemusterten Brioche-Stücke. Jede Farbe wird in ihrem „eigenen“ Durchgang gestrickt und im anderen abgehoben, sodass sich die zwei Garne ineinandergreifend verbinden und plastische Säulen oder Muster bilden. Das sieht hervorragend aus, bedeutet aber auch, dass zwei Garne und zwei Reihen als eine Einheit geführt werden müssen – weshalb fast alle Lehrenden (und dieser Guide) empfehlen, zuerst einfarbiges Patent zu üben.

Selbst ausprobieren: Eine einfache einfarbige Patent-Maschenprobe

Sie brauchen keine vollständige Anleitung, um ein Gefühl für Brioche zu bekommen – eine kleine Maschenprobe bringt Ihren Händen schnell den Rhythmus bei. Greifen Sie zu einem glatten, hellen Garn in Worsted-Stärke (darauf sind die Maschen gut zu erkennen) und Nadeln, die ein bis zwei Nummern größer sind als üblich, da Patentmuster Raum zum Aufbauschen lieben.

Schlagen Sie eine gerade Maschenzahl an – 20 Maschen sind eine gute Proben-Größe.

Vorbereitungsreihe (Rückreihe): \*Faden nach vorne legen, 1 Masche wie zum Linksstricken abheben, Umschlag über die Nadel legen, 1 Masche rechts; ab \* bis zum Ende wiederholen.

Diese Reihe legt einen Umschlag über jede zweite Masche – das ist die Schlaufe, die Ihre brk-Maschen in der nächsten Reihe erfassen werden.

Patentreihe (diese Reihe für die gesamte Maschenprobe wiederholen): \*Brk (die abgehobene Masche mit ihrem Umschlag wie eine Masche rechts zusammenstricken), Faden nach vorne legen, 1 Masche wie zum Linksstricken abheben, Umschlag über die Nadel legen; ab \* bis zum Ende wiederholen.

Beachten Sie, dass jede Reihe, die Sie stricken, zwei Dinge gleichzeitig tut: Sie schließt eine Masche von zuvor ab (das brk) und bereitet eine neue für später vor (das sl1yo). Das ist der Zwei-Durchgangs-Rhythmus – Sie sind immer gleichzeitig einen Schritt zurück und einen Schritt voraus.

Wiederholen Sie die Patentreihe 15–20 Mal, bis Sie sehen, wie sich die plastische Rippenstruktur entwickelt. Urteilen Sie nicht zu früh – Patentgestrick braucht einige Reihen, bevor es aufblüht. Eine Probe, die nach zwei Reihen noch flach und verwirrend aussieht, wirkt nach zehn Reihen meist völlig anders und eindeutig nach Patent.

Ein paar Tipps für Ihren ersten Versuch:

  • Zählen Sie Maschen, nicht Reihen, wenn Sie sich verstrickt haben. Bleibt Ihre Maschenzahl konstant, führen Sie das Muster höchstwahrscheinlich korrekt aus, selbst wenn das Gestrick mitten in der Probe merkwürdig wirkt.
  • Nutzen Sie reichlich Maschenmarkierer, wenn Sie Patent neben anderen Mustern stricken, da ein vergessener Umschlag der häufigste Fehler ist.
  • Ketten Sie elastisch ab. Da Patentgestrick sehr dehnbar ist, kann ein Standard-Abketten die schöne, fluffige Kante zusammenziehen. Ein elastisches oder patentspezifisches Abketten bewahrt den fallenden Griff.

Woher die Bezeichnung stammt

Der englische Name „Brioche“ ist eine unterhaltsame Anekdote. Während Patenttechniken alte Wurzeln haben – manche Quellen führen frühe Fangmuster-Einflüsse auf den Nahen Osten zurück –, spielt die englische Bezeichnung höchstwahrscheinlich auf das Brioche-Gebäck an: ein Gebäck aus zwei verbundenen Teigkugeln, ganz ähnlich wie bei einer Patentmasche zwei Schlaufen (eine rechte Masche und ein Umschlag) zu einer verschmelzen. Manche Strickhistoriker verweisen auch auf die Theorie, dass „Brioche“ vom alten französischen Umgangssprachwort für einen kleinen Fehler abstammt – als Anspielung darauf, wie leicht man sich als Neuling verstricken kann. Beide Geschichten machen die Technik nahbar: Es beschreibt nichts Mysteriöses, sondern einfach etwas Mehrschichtiges.

Sie sind bereit für den ersten Versuch

Patentstricken hat den Ruf, eine Fortgeschrittenen-Technik zu sein, aber in Wahrheit ist es nur eine kleine Kombinationsbewegung – abheben, Umschlag, zusammenstricken –, die mit etwas Geduld wiederholt wird. Sobald Ihre Hände den Rhythmus verinnerlicht haben, lesen sich die Abkürzungen in einer Anleitung nicht mehr wie eine Fremdsprache, sondern wie eine vertraute Kurzschrift.

Schlagen Sie diese Woche eine kleine Probe an, stricken Sie sich durch die ersten wackeligen Reihen und beobachten Sie, wie das Gestrick sein Volumen entfaltet. Von dort aus können Sie sich einer zweifarbigen Patent-Anleitung mit echter Neugier statt Zögern nähern.

Quellen