# Das beste Garn für Mehrfarbenstricken: Ein Kaufratgeber

Wenn Sie schon einmal einen wunderschönen Pullover in zweifarbigem Stricken (Stranded Colorwork) von den Nadeln genommen haben und feststellen mussten, dass sich die Spannfäden auf der Rückseite kräuseln, das Gewebe beult oder die Mustermotive verschwommen statt gestochen scharf aussehen, lag das Problem wahrscheinlich nicht an Ihrer Technik. Es lag am Garn.

Mehrfarbiges Stricken – bei dem zwei oder mehr Farben in derselben Reihe verstrickt und der nicht verwendete Faden auf der Rückseite als „Spannfaden“ mitgeführt wird – stellt höhere Anforderungen an Ihr Garn als glatt rechts Gestricktes. Jede Masche muss ihre Form behalten, während ein Faden einer anderen Farbe dahinter verläuft, und das Gewebe muss Dehnen, Ziehen und Spannen überstehen, ohne dass sich das Muster verzieht. Nicht jedes Garn ist für diese Aufgabe gemacht. Dieser Ratgeber erklärt, worauf es beim Kauf von Garn für Mehrfarbenstricken wirklich ankommt, damit Sie ein Garn wählen, das den zusätzlichen Zeitaufwand belohnt.

Was ein Garn gut für Mehrfarbenstricken macht

Haftung ist wichtiger als Weichheit

Der wichtigste Einzelfaktor dafür, wie gut sich ein Garn für zweifarbiges Stricken eignet, ist die Haftung der Fasern aneinander. Garne aus Wolle mit einer gewissen Textur – statt Garne, die so behandelt wurden, dass sie vollkommen glatt und rutschig sind – halten Spannfäden und Maschen beim Stricken verlässlich an Ort und Stelle. Diese „Griffigkeit“ sorgt dafür, dass sich Ihre Fadenspannung leichter ausgleicht, Motive scharf bleiben statt an den Rändern zu verschwimmen, und die Spannfäden auf der linken Seite nicht verrutschen oder das Strickbild lockern.

Aus diesem Grund ist Superwash-behandelte Wolle für mehrfarbiges Stricken meist weniger gut geeignet, obwohl sie für andere Projekte eine gute Wahl ist. Die Behandlung, die Superwash-Garn maschinenwaschbar macht, entfernt die mikroskopisch kleinen Schuppen der Wollfaser, die für den natürlichen Halt sorgen. Zurück bleibt ein glatterer, rutschigerer Faden. Bei einfachen Maschen lässt er sich problemlos verstricken, aber bei mehrfarbigen Arbeiten neigt er eher zum Verrutschen, und die Maschen wirken oft weniger definiert.

Aufblühen („Bloom“) und Spannen übernehmen viel Feinarbeit

Traditionelle Wolle für Mehrfarbenarbeiten hat noch einen weiteren Trumpf im Ärmel: Sie „blüht auf“. Wenn Sie das Strickstück fertiggestellt haben und es waschen sowie spannen (Blocken), entspannen sich die Fasern, bauschen leicht auf und verbinden sich gerade so weit miteinander, dass die Oberfläche weicher wird und kleine Unregelmäßigkeiten in der Fadenspannung ausgeglichen werden. Diese leicht anfilzende Eigenschaft ist ein Grund, warum fertig gestrickte Fair-Isle- und Colorwork-Stücke so gleichmäßig und harmonisch wirken, selbst wenn die Spannfäden Masche für Masche nicht perfekt gleichmäßig waren. Das Spannen eines Colorwork-Stücks aus Wolle mit gutem Aufblühverhalten kann das Maschenbild sichtbar verbessern: Die Maschen fügen sich an ihren Platz und das Farbmuster zeichnet sich klarer ab.

Superwash-Garne sowie viele Pflanzen- oder Synthetikgarne blühen nicht auf dieselbe Weise auf, da diese Behandlung oder Faserstruktur dem natürlichen Filzverhalten von Wolle entgegenwirkt. Wenn Sie ein mehrfarbiges Muster mit solchen Garnen stricken, entspricht das Ergebnis auf den Nadeln sehr nahe dem, was Sie nach dem Waschen erhalten – der ausgleichende, verzeihende Effekt fehlt weitgehend.

Glatte, runde Verzwirnung erleichtert gleichmäßiges Fadenführen

Garne, die leicht spleißen – bei denen sich die Einzelfäden trennen, wenn die Nadelspitze einsticht –, machen mehrfarbiges Stricken unnötig schwer. Jede gespaltene Masche birgt das Risiko, den falschen Faden zu erwischen oder die Fadenspannung zu stören. Ein Garn mit einer runden, gut verzwirnten Struktur lässt sich viel gleichmäßiger führen, besonders wenn man zügig zwischen zwei Farben pro Reihe wechselt. Hier zahlt sich eine Maschenprobe vor Beginn eines großen Projekts aus: Stricken Sie ein kleines mehrfarbiges Probestück und beobachten Sie, wie sich das Garn unter der Nadel verhält, nicht nur wie es im Knäuel aussieht.

Traditionelle Garnstärken bringen Details zur Geltung

Die meisten klassischen Traditionen des Mehrfarbenstrickens – von Fair-Isle-Pullovern der Shetlandinseln bis zu den Passe-Pullovern aus Island und Skandinavien – wurden mit feinen Garnen gearbeitet, typischerweise in Fingering- oder Sport-Garnstärke (Socken- oder Sportgarn). Das ist kein Zufall. Feines Garn ermöglicht mehr Maschen auf einer gegebenen Fläche, was mehr Musterreihen und feinere Details in den Motiven bedeutet. Ein Schneeflocken- oder Sternenmuster, das in Fingering-Stärke gestochen scharf und aufwendig wirkt, kann in Worsted- oder Bulky-Stärke grob und vereinfacht aussehen, weil schlichtweg weniger Platz pro Zentimeter vorhanden ist.

Das bedeutet nicht, dass dickere Garne tabu sind – viele moderne Colorwork-Anleitungen nutzen DK- oder Worsted-Stärke für ein schnelleres Projekt, was für großflächigere, einfachere Motive eine hervorragende Wahl ist. Wenn Sie jedoch den klassischen, dicht gemusterten Look traditioneller Strickarbeiten anstreben, ist ein feineres Garn meist die bessere Wahl für die Zählmuster.

Geeignete Faserarten

Wolle, besonders „wollige“ Wolle

Wolle ist die traditionelle und nach wie vor beliebteste Faser für mehrfarbiges Stricken – aus gutem Grund: Sie besitzt natürliche Elastizität, isoliert gut und greift sowie blüht auf eine Weise auf, die mehrfarbigem Gestrick optisch zu Gute kommt. Achten Sie bei Wolle auf Garne, die als etwas strukturierter oder mit leichtem „Grip“ beschrieben werden, anstatt auf Garne, die als extraweich und glatt vermarktet werden. Dieser leicht rustikale Griff ist oft ein Zeichen dafür, dass sich das Garn beim mehrfarbigen Stricken gut verhält.

Wollmischungen

Mischungen, die Wolle mit einem kleinen Anteil einer anderen Faser kombinieren – Nylon für Haltbarkeit, etwas Mohair oder Alpaka für einen leichten Flaum oder Seide für wunderschönen Fall –, können ebenfalls gut funktionieren, solange der Wollanteil dem Garn ausreichend Halt gibt, um die Form zu bewahren. Reine Tierfasern mit sehr wenig eigenem Halt, wie 100 % Alpaka oder reines Seidengarn, sind meist rutschiger und eignen sich i. d. R. besser für andere Projektarten.

Baumwolle und Synthetikgarne

Baumwolle, Acryl und andere pflanzliche oder synthetische Fasern lassen sich durchaus mehrfarbig verstricken, und es gibt Anleitungen, die speziell auf ihre Eigenschaften zugeschnitten sind. Da sie jedoch nicht wie Wolle aufblühen oder haften, erfordert Mehrfarbenstricken mit diesen Fasern meist ein sorgfältigeres, bewusstes Führen der Spannfäden, da das Garn beim Fertigstellen weniger korrigierend mitwirkt.

Wahl von Garnstärke und Lauflänge für Ihr Projekt

Denken Sie vor dem Kauf an das fertige Objekt. Ein Paar mehrfarbige Fäustlinge oder eine Mütze benötigt nur eine kleine Menge Garn pro Farbe – ein risikoarmer Weg, um eine Fingering-Wolle auszuprobieren, mit der Sie noch nie gearbeitet haben. Ein kompletter Pullover ist eine größere Investition: Hier lohnt es sich, eine Maschenprobe zu stricken, diese zu waschen und zu beobachten, wie das Garn aufblüht, bevor Sie die gesamte Garnmenge kaufen. Da mehrfarbiges Stricken zwei Fäden pro Reihe statt einem verbraucht, benötigen Colorwork-Projekte insgesamt mehr Lauflänge als ein einfarbiges Projekt derselben Größe – kalkulieren Sie dies bei der Berechnung der benötigten Mengen ein.

Fazit

Das beste Garn für Mehrfarbenstricken zeichnet sich durch wenige Kerneigenschaften aus: genügend Halt, um Spannfäden und Maschen an Ort und Stelle zu sichern, eine Faser, die nach dem Spannen schön aufblüht, eine glatte, runde Verzwirnung für einfaches Fadenführen und – für den traditionellsten, detailreichsten Look – eine feinere Garnstärke wie Fingering oder Sport. Wolle erfüllt all diese Punkte, weshalb sie seit Generationen die erste Wahl für mehrfarbiges Stricken geblieben ist.

Sobald Sie das richtige Garn in den Händen halten, macht die Technik den restlichen Unterschied – wie Sie die Spannfäden mitführen, wie Sie die Fadenspannung in der Runde halten und wie Sie das fertige Stück spannen. Diese Details behandeln wir in unseren Technikanleitungen für Fair-Isle-Muster und isländische Passenpullover, bei denen die hier besprochene Garnauswahl voll zum Tragen kommt.

Quellen